Das Sozial- und Studentenwerk der Münchner Corpsstudenten |
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Geschichte der Corps
Im nachfolgenden Text soll nur ein sehr kurzer Abriß der Geschichte der Corps
wiedergegeben werden. Namen und Jahreszahlen fehlen deshalb fast völlig, es
werden nur pauschal Zahlen und Motive dargestellt. Es wird auch ausschließlich
auf Corps abgestellt. Nicht behandelt werden Landsmannschaften, Burschenschaften,
CV und KV (konfessionell ausgerichtete Verbindungen), Turnerschaften u. ä.. Bei der Betrachtung der Geschichte der Corps mag anfänglich ein Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der Corps hilfreich sein.
Beide genannten Jahrhunderte sind – neben vielen anderen Facetten – auch durch einen enormen Anstieg der industriellen Produktion und des damit einhergehenden Handels bestimmt. Dadurch entstand bzw. erstarkte eine Schicht, nämlich die des Bürgertums, die sich zwischen die alten Privilegieninhaber, Adel und Klerus, und die bäuerliche Bevölkerung schob. Die Kinder dieser Leistungs- und Bildungselite bevölkerten dann auch in zunehmendem Maße die Universitäten, und sie stellten fest, daß sie an den Universitäten gegenüber den klassisch Privilegierten genauso benachteiligt waren wie ihre Eltern im übrigen Leben. Diese Situation war eine der wesentlichen Triebkräfte zur Entstehung der Corps: Die Corps bildeten ein "Netzwerk der underdogs", mit dem sich die "Bürgerlichen" angesichts ihrer gesellschaftlich/universitären Diskriminierung gegenüber dem Adel behalfen, so gut es ging. Eine wesentliche Triebkraft für die Entstehung der Corps war somit eine emanzipatorische. Vor dieser emanzipatorischen Tradition und unterprivilegierten Herkunft stellten sich in den inneren Verfassungen der Corps durchgängig drei Strukturmerkmale ein, heute alles Selbstverständlichkeiten:
Wie oben beschrieben verfaßt bildeten die Corps insbesondere im 19. Jhdt. ein für viele Studenten attraktives Gegengewicht zum tendenziell repressiven Staatswesen. Die Corps übernahmen auch das studentische Fechten einschließlich der Bestimmungsmensur als ein typisches Merkmal. Natürlich gab es im 18. und 19. Jahrhundert auch politische Probleme – drängende sogar. Ein essentielles war das der offenen nationalen Einigung Deutschlands. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war ein kunterbunter Fleckerlteppich, der trotz seiner Größe kaum gegen die ihn umgebenden zentral organisierten Nationalstaaten ankam. Die sich daraus ergebenden Schwäche mußte Deutschland im 30-jährigen Krieg und angesichts Napoleons "Eskapaden" schmerzhaft erkennen, so daß auch das Problem der nationalen Einigung auf den Nägeln brannte. Dies ist eine Triebkraft, die zur Entstehung der politisch ausgerichteten Burschenschaften beitrugen. Man kann also sagen, daß Burschenschaften eher durch die staatspolitischen Problemen des 18. und 19. Jhdts. motiviert entstanden, während Corps eher angesichts der damaligen gesellschaftspolitischen Verwerfungen gegründet wurden. Das 19. Jhdt. war die Blütezeit der Corps. Sie schossen "wie die Pilze aus dem Boden", und man kann ihre Geschichte damals als "Erfolgsstory" bezeichnen. Unschöne Entwicklungen blieben dabei nicht völlig aus: Insbesondere Ende des 19. Jhdts. waren Corps für Studierende – und dann nicht nur für die "Bürgerlichen", sondern auch für den Adel - fast zu einem akademischen "Muß" geworden. So unterschiedliche Charaktere wie Karl Marx und der spätere Kaiser Wilhelm II waren Mitglieder von Corps.
Karl Marx und Kaiser Wilhelm II, beide Corpsstudenten Nach dem Offizier galt in Preußen und dann im Deutschen Reich der Corpsstudent als das gesellschaftliche Ideal. In das faktische Corpsleben schlichen sich so Züge von Arroganz und Dünkelhaftigkeit ein. Um 1900 herum war der Zenit der Corps erreicht, zumindest soweit man auf ihre Anzahl schaut. Insoweit, als die Emanzipation des Bürgertums ein gutes Stück vorangekommen war, ging den Corps aber auch ein Stück ihrer Motivation und Triebkraft, ihres "Rankgitters" verloren. Corps wurden – auch angesichts der oben genannten unschönen Züge - weniger ein Muß, und schließlich trug die Erfahrung des 1. Weltkrieges auch zu einer Abkühlung der überschäumenden Vereinsmeierei bei. Die liberal-tolerante Konstitutionen der Corps paßten jedoch nach wie vor auf die neue Situation. An die Stelle des äußeren "Feindes" - die Altprivilegierten - traten jedoch in zunehmendem Maße die eigenen Unzulänglichkeiten und der innere Schweinehund, die es zu überwinden galt. Corps im 20. Jhdt. mußten sich nicht mehr gegen äußerer Umstände stemmen. Vielmehr modifizierte sich ihre Zielsetzung hin zur Aus- und Weiterbildung ihrer Mitglieder. Mit der unpolitischen Haltung hofften die Corps anfänglich auch, dem Zugriff des nationalsozialistischen Deutschlands zu entkommen. Man hatte hier jedoch den Druck aus der Gleichschaltung unterschätzt: Tatsächlich wurde auch von den Corps ab 1934 entweder völlige Unterwerfung oder Auflösung gefordert. Eine Anpassung an den totalen Machtanspruch der NSDAP erlaubten formal die Konstitutionen der Corps jedoch nicht, faktisch die Geisteshaltungen der Corps-Mitglieder. Die Folge war, daß die Corps sich weigerten, dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund beizutreten und sich nach dem Führerprinzip zu organisieren, so daß spätestens 1935 alle Corps suspendiert waren, d. h., ihren organisatorischen wie gesellschaftlichen Betrieb eingestellt hatten. Zur Vermögenswahrung und Aufrechterhaltung eines rudimentären Kontakts unter den Corpsbrüdern wurden häufig Nachfolgeorganisationen gegründet, sog. Kameradschaften, die den Forderungen der Gleichschaltung genügten und von der NSDAP geduldet wurden. Ein witzig-freches Corpsleben wie früher war damit jedoch nicht mehr möglich, eher kann man die Kameradschaften als "Winterschlaf der Corps" betrachten. Die Corpsstudenten wichen aus ins Private oder in halb- oder illegale Treffen im früheren Rahmen, insbesondere zum Ende des Krieges. Nach dem Krieg rekonstituierten die meisten Corps sich wieder, daß heißt, sie nahmen das Corpsleben wieder wie in der Zeit vor 1935 auf. In vielen Fällen war das Vermögen verloren gegangen, faktisch durch zerstörte Gebäude, rechtlich auch häufig durch Verlust der Grundstücke. Der materielle wie personelle Verlust führte dazu, daß in vielen Fällen nach dem Krieg deutlich kleinere Brötchen gebacken wurden als vor dem Krieg. Aber nach wie vor trägt das Rückgrat, nämlich eine auf Toleranz, Anstand und Ehrgefühl fußende Gesamtkonstitution der Corps, so daß sie sich trotz aller Schwierigkeiten letztendlich mit den Idealen und Inhalten behaupten können, mit denen sie im 19. Jahrhundert angetreten waren.
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